Leserbrief

 

Stammzellendebatte von Leander Förster

 

Dieser Schritt ist längst überfällig und zu begrüßen, wenn Bundesforschungsministerin Annette Schavan während der derzeitigen Debatte um die Zukunft der Forschung mit embryonlen Stammzellen (ES) in Deutschland die Forschung mit adulten Stammzellen intensivieren und zusätzlich fördern will.

In der Stammzelldebatte geht es im Kern um den „Stichtag“, der jetzt –wenn es nach den Wünschen der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG geht- einmalig verschoben bzw. ganz aufgehoben werden soll.

Hintergrund des Stammzellgesetzes ist folgender: Das „Embryonenschutzgesetz“ verbietet u. a. auch wegen unserer deutschen Vergangenheit ganz rigide die Forschung mit -und Tötung von Embryonen für die embryonale Stammzellenforschung. Weil der Gesetzgeber jedoch deutsche Forscher nicht gänzlich von der Forschung mit ES ausschließen wollte und man sich bewußt war, daß die bis dahin getöteten Embryonen nun einmal getötet sind (im Jahr 2002 wurde das Stammzellgesetz verabschiedet), gestand man den Forschern eine einzige einmalige Ausnahme zu. Demnach müssen embryonale Stammzell-Linien vor dem „Stichtag“ 1.1.2002 aus dem Ausland importiert werden, wohl wissentlich, daß die „Materialvorräte“ begrenzt sind und sich eines Tages die Forschung mit ES mangels Vorrat von selbst erledigen wird. Somit war das Stammzellgesetz geboren und so sollte von Deutschland aus kein weiterer Anreiz zur Tötung menschlicher Embryonen im Ausland ausgehen. Wer sich an die damalige Diskussion erinnert, der wird sicherlich noch vor Augen haben, daß es sich bei den importierten Stammzell-Linien um Stammzellen aus Israel handelt!

Würde also der Stichtag verlegt oder gar aufgehoben, wäre somit eine Ausnahme von der absoluten Ausnahme geschaffen und somit daß eigentliche Gesetz „Embryonenschutzgesetz“ über einen Umweg in wesentlichen Teilen außer Kraft gesetzt.

Entstanden war die Diskussion 2002, weil deutsche Stammzellforscher in Kürze klinische Studien mit ES am Menschen versprachen. Wohl bemerkt am Menschen, denn heute, 5 Jahre später sprechen dieselben Forscher Schöler und Brüstle, die damals das Stammzellgesetz eingefordert haben, nur noch von Grundlagenforschung und diese wird bekanntlich nur in Tierversuchen und nicht am Menschen durchgeführt. In der Grundlagenforschung gibt es lediglich Erfolgsansätze, aber bei weitem keine Erfolge. Zunächst eingestellte Erfolge erwiesen sich in Tierversuchen an Mäusen in der weiteren Beobachtung als trojanisches Pferd. Die so gen. SENA-Studie beschreibt, wie sich nach den vorläufigen Heilerfolgen eine Fülle von bösartigen Tumoren im Gehirn der Versuchstiere entfalteten. Durch Einspritzen einer Säure hatte man zuvor eine Hirnschädigung hervorgerufen.

Die adulte Stammzellforschung hingegen hat innerhalb der letzten vier Jahrzehnte eine unüberschaubare Anzahl von Heilerfolgen erzielt, über 60 Krankheiten werden heute mit größter Erfolgsquote geheilt. Und der wesentliche Vorteil daran ist, daß hierfür keine Embryonen getötet werden müssen. Adulte Stammzellen können aus dem Blut, dem Knochenmark, dem Nabelschnurblut und sogar aus dem Fruchtwasser gewonnen werden und sind von embryonalen Stammzellen nicht zu unterscheiden. Folglich sind adulte Stammzellen den embryonalen Stammzellen auch nicht haushoch unterlegen, wie Forscher immer wieder behaupten. Und der Clou ist: Deutschland steht in der Forschung mit adulten Stammzellen seit Jahren an der Weltspitze

Das Töten von Embryonen ist nicht nur in Deutschland ethisch hoch umstritten, jedoch haben wir eines der strengsten Gesetze weltweit. Weltweit sind sich Wissenschaftler einig, daß menschliches Leben mit Verschmelzung von Ei- und Samenzelle beginnt. Wenn nun die deutschen selbst ernannten „Stammzellpäpste“ Hans Schöler aus Münster und Oliver Brüstle aus Bonn in Interview´s und Stellungnahmen diese Fakten leugnen und gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis nicht von Embryonen, sondern von „kleinen Zellkugeln“ die Rede ist, so läßt dies nur erahnen, wozu diese Schöpfergötter fähig sind und worum es in Wahrheit geht: Das schlechte Gewissen beruhigen und natürlich wie immer geht es ums liebe Geld, denn von einer Verschiebung bzw. Aufhebung des Stichtags würden diese Beiden Herrschaften am meisten profitieren.